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CEPA
Mit einer neuen Datenerhebung unter dem kanadischen Chemikalienmanagementprogramm verschärft Kanada die Anforderungen an Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette. Betroffen sind nicht nur Chemikalienhersteller, sondern auch Importeure, Produzenten von Gemischen und Erzeugnissen sowie Unternehmen, die bestimmte Stoffe in ihren Produkten verwenden. Wer auf dem kanadischen Markt tätig ist, sollte jetzt prüfen, ob Meldepflichten bestehen.
Hintergrund: Kanada sammelt Daten zu 200 Stoffen
Die kanadische Regierung hat im Rahmen des Chemicals Management Plan (CMP) zwei Informationsabfragen nach Abschnitt 71 des Canadian Environmental Protection Act (CEPA) veröffentlicht. Ziel ist es, Informationen für die Priorisierung, Risikobewertung und gegebenenfalls spätere Risikomanagementmaßnahmen zu sammeln.
Die Datenerhebung erfolgt in zwei Phasen:
- Phase 1: 184 Stoffe, Meldefrist bis 3. März 2027
- Phase 2: 16 weitere Stoffe, Meldefrist bis 8. September 2027
Grundlage der Meldungen sind Aktivitäten des Kalenderjahres 2025.
Wer ist betroffen?
Die Anforderungen richten sich an Unternehmen, die die betroffenen Stoffe herstellen, importieren oder verwenden und dabei bestimmte Mengenschwellen überschreiten. Dabei geht der Anwendungsbereich deutlich über klassische Chemikalienhersteller hinaus. Auch Unternehmen können meldepflichtig werden, wenn die Stoffe enthalten sind in:
- Gemischen
- Produkten
- Erzeugnissen
- Verpackungen
- Konsumgütern
- importierten Fertigwaren
Je nach Stoffgruppe gelten unterschiedliche Mengenschwellen, teilweise bereits ab 100 kg pro Jahr. Für bestimmte Stoffe sind höhere Schwellenwerte vorgesehen. Zudem werden auch Importe in Erzeugnissen erfasst, wenn die Stoffe bestimmte Konzentrationen erreichen. Besonders relevant ist dies für Unternehmen aus Branchen wie:
- Automobilindustrie
- Elektronik
- Konsumgüterherstellung
- Verpackung
- Möbel- und Textilindustrie
- Chemie und Kunststoffverarbeitung
Welche Stoffe stehen im Fokus?
Die Stoffliste umfasst Substanzen, die bereits in anderen Rechtsräumen regulatorisch diskutiert oder bewertet werden. Dazu zählen unter anderem:
- PPD-Derivate aus der Reifen- und Gummiindustrie
- Chromverbindungen
- N-Methyl-2-pyrrolidon (NMP)
- 1-Brompropan (1-BP)
- Organophosphat-Flammschutzmittel
- bestimmte Azofarbstoffe
- weitere Stoffe mit Anwendungen in Konsumgütern und industriellen Prozessen
Damit setzt Kanada einen Schwerpunkt auf Stoffe, die potenziell für Mensch und Umwelt relevant sein könnten und daher für zukünftige Regulierungsmaßnahmen näher untersucht werden sollen.
Welche Informationen müssen Unternehmen bereitstellen?
Die Behörden verlangen umfangreiche Informationen zu den betroffenen Stoffen. Dazu gehören beispielsweise:
- Herstellungs-, Import- und Verwendungsmengen
- Konzentrationen in Produkten und Erzeugnissen
- Angaben zu Anwendungen und Verwendungszwecken
- Informationen zu Exportmengen
- Daten zu möglichen Freisetzungen in Luft, Wasser oder Boden
- Standort- und Tätigkeitsinformationen zu betroffenen Betrieben
- gegebenenfalls vorhandene Studien und Daten zum Stoff
Unternehmen müssen die Informationen über das elektronische Meldesystem von Environment and Climate Change Canada einreichen.
Die größte Herausforderung liegt in der Lieferkette
In der Praxis stellt häufig nicht die eigentliche Meldung die größte Hürde dar, sondern die Beschaffung der erforderlichen Informationen. Viele Unternehmen müssen Daten aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen konsolidieren oder entlang internationaler Lieferketten einholen.
Die kanadischen Behörden weisen deshalb ausdrücklich auf Unterstützungsinstrumente hin, darunter Leitfäden zur Meldung sowie Vorlagen für die Kommunikation mit ausländischen Lieferanten.
Gerade bei komplexen Produkten kann die Ermittlung von Stoffgehalten, Konzentrationen und Importmengen erhebliche Ressourcen binden. Unternehmen sollten deshalb ausreichend Zeit für die Analyse ihrer Produkte und Lieferketten einplanen.
Mehr als eine reine Berichtspflicht
Die aktuelle Stoffabfrage sollte nicht nur als administrative Verpflichtung verstanden werden. Informationsanforderungen nach CEPA werden regelmäßig genutzt, um die Datengrundlage für spätere Risikobewertungen und regulatorische Entscheidungen zu schaffen. Die nun abgefragten Stoffe könnten daher in den kommenden Jahren verstärkt in den Fokus der kanadischen Behörden rücken.
Für Unternehmen bietet die Abfrage deshalb auch einen wichtigen Hinweis darauf, welche Stoffe künftig regulatorisch relevanter werden könnten. Eine frühzeitige Bewertung der eigenen Betroffenheit schafft Transparenz und erleichtert die strategische Planung von Substitutions- und Compliance-Maßnahmen.
Fazit
Kanadas neue Stoffabfrage ist eine der umfangreichsten Informationssammlungen der vergangenen Jahre. Da die Anforderungen zahlreiche Branchen und auch importierte Produkte erfassen, sollten Unternehmen ihre Betroffenheit frühzeitig prüfen. Wer jetzt Transparenz über eingesetzte Stoffe und Lieferketten schafft, minimiert Compliance-Risiken und ist besser auf mögliche zukünftige regulatorische Entwicklungen vorbereitet.
Tipp: Besonders Unternehmen mit Exporten nach Kanada sollten zeitnah prüfen, ob Stoffe aus der Liste der 200 abgefragten Substanzen in ihren Produkten, Gemischen oder Erzeugnissen enthalten sind und ob die relevanten Mengenschwellen erreicht werden.
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Quellen:
Canada Gazette, Part 1, Volume 160, Number 35: GOVERNMENT NOTICES