Frankreichs PFAS‑Verbot in Kraft getreten

PFAS

Seit dem 1. Januar 2026 gilt in Frankreich eines der strengsten PFAS‑Verbote weltweit – ein Gesetz, das nicht nur Verbraucher schützt, sondern die gesamte Konsumgüterindustrie verändert. Produkte wie Kosmetik, Bekleidung, Schuhe und Skiwachs dürfen ab sofort keine PFAS („Ewigkeitschemikalien“) mehr enthalten.

Dass es so weit kommen würde, wurde bereits im Februar 2025 entschieden, unterstützt von über 140.000 Bürger*innen, die strengere Regulierungen forderten. Frankreich nimmt damit eine Vorreiterrolle in Europa ein und setzt neue Maßstäbe in Sachen Gesundheitsschutz und Chemikalienpolitik.


Warum PFAS verboten werden mussten

PFAS sind chemisch extrem stabil, reichern sich in Umwelt und Körper an und stehen im Zusammenhang mit Krebserkrankungen, eingeschränkter Fruchtbarkeit, Störungen des Immunsystems und Verunreinigungen im Trinkwasser. Ihre Verwendung war jahrzehntelang Standard – von Outdoor-Jacken über Make-up bis hin zu Skiwachs. Doch ihre Risiken sind inzwischen eindeutig belegt.


Diese Produkte sind seit 1. Januar 2026 verboten

Frankreich untersagt nun die Herstellung, Einfuhr, Ausfuhr und den Verkauf PFAS-haltiger Produkte, wenn es Alternativen gibt:

  • Kosmetikprodukte
  • Bekleidung, Textilien und Schuhe
  • Skiwachs

Für bereits hergestellte Produkte gilt eine Abverkaufsfrist bis zum 1. Januar 2027, damit bestehende Lagerbestände nicht sofort wertlos werden.

Ein Verbot von PFAS-haltigen Antihaft‑Küchenutensilien wurde nach starkem Lobbydruck der Industrie jedoch gestrichen.


Ausnahmen – wo sie nötig sind

Das Gesetz lässt dort Ausnahmen zu, wo PFAS‑Ersatz derzeit technisch nicht machbar ist:

  • Schutzkleidung für Feuerwehr, Militär und Katastrophenschutz
  • Industrielle und medizinische Textilien
  • Produkte mit mind. 20 % recyceltem Material, wenn PFAS nur im Recyclinganteil enthalten sind

Was bedeutet das PFAS‑Verbot für Hersteller?

Die Auswirkungen für Unternehmen – vor allem in der Textil-, Schuh- und Kosmetikbranche – sind enorm. Frankreich zwingt Hersteller zu einem der umfassendsten Transformationsprozesse der letzten Jahrzehnte.


1. Zwang zur Materialumstellung und Produktentwicklung

Hersteller müssen jetzt PFAS-freie Alternativen für:

  • wasserabweisende Beschichtungen
  • schmutzabweisende Ausrüstungen
  • kosmetische Effekte und Formulierungen

finden. Viele PfAS‑freie Technologien existieren bereits, aber sie sind nicht immer gleichwertig – insbesondere bei Performance-Textilien oder langlebigen Imprägnierungen. Unternehmen müssen ihre Produktentwicklung neu denken und teilweise ihre gesamte Lieferkette umstellen.

Gerade die französische Textilindustrie zeigt sich alarmiert: Branchenvertreter warnen vor möglichen Wettbewerbsnachteilen, da kein anderes europäisches Land bislang so weitreichende Vorgaben erlassen hat.


2. Lieferketten müssen neu aufgebaut und zertifiziert werden

Viele PFAS kamen bislang über globale Vorprodukte in die Lieferkette. Jetzt müssen Hersteller:

  • neue Lieferanten finden
  • PFAS‑freie Vorprodukte prüfen
  • Materialien durch Laboranalysen zertifizieren lassen

Frankreich setzt klare Grenzwerte für zulässige Restmengen und verlangt Nachweise bei Überschreitung bestimmter Fluorgehalte.

Das erhöht den administrativen Aufwand und zwingt Hersteller dazu, ihre Qualitätssicherung deutlich auszubauen.


3. Wirtschaftliche Risiken – aber auch Chancen

Risiken für Firmen:

  • kurzfristig höhere Produktionskosten
  • Kosten für Testverfahren und Zertifizierungen
  • mögliche Anpassung der Maschinen und Produktionstechnologien
  • Gefahr, im Wettbewerb gegenüber Ländern mit lockereren Vorgaben zurückzufallen

Chancen:

  • frühe Positionierung als PFAS‑freie Premiummarke
  • Erschließung neuer Märkte mit nachhaltigen Produkten
  • verbesserte Verbraucherwahrnehmung
  • geringere Haftungsrisiken durch strengere Umweltstandards

Unternehmen, die früh auf PFAS‑freie Innovationen setzen, könnten also von einem Imagevorsprung profitieren, insbesondere wenn andere Staaten bald nachziehen.


4. Übergangsfristen schaffen Luft – aber nur kurzfristig

Die Abverkaufsfrist bis Januar 2027 soll Hersteller entlasten, doch sie verschiebt die Herausforderungen lediglich in die unmittelbare Zukunft. Spätestens 2030 wird das Verbot auf fast alle Textilien ausgeweitet – ein weiterer Treiber für langfristige Umstellungen.

Hersteller, die jetzt handeln, sichern sich Planungssicherheit – und vermeiden spätere Hauruckaktionen, die teuer werden könnten.


Frankreich als europäischer Impulsgeber

Frankreich zeigt damit nicht nur regulatorische Entschlossenheit, sondern setzt die EU indirekt unter Druck, ähnliche Schritte umzusetzen. Die bisherige EU‑Regulierung kommt nur schleppend voran – Frankreich geht bewusst voran und nimmt Auswirkungen auf seine Industrie in Kauf.


Fazit: Ein Paradigmenwechsel, der die Branche nachhaltig verändert

Das PFAS‑Verbot ist mehr als ein Umweltgesetz – es ist ein ökologischer und wirtschaftlicher Wendepunkt. Hersteller müssen jetzt innovativer, transparenter und nachhaltiger werden. Doch gerade darin liegt die Chance: Unternehmen, die den Wandel früh gestalten, werden zu Gewinnern einer neuen, PFAS‑freien Produktwelt.


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