Biozide

Biozide (abgeleitet von bios, griech. für Leben, und caedere, lat. für töten) sind in der Schädlingsbekämpfung im nicht-agrarischen Bereich eingesetzte Wirkstoffe, Chemikalien und Mikroorganismen gegen Schadorganismen (z. B. Ratten, Insekten, Pilze, Mikroben), also beispielsweise Desinfektionsmittel, Rattengifte oder Holzschutzmittel. Laut der europäischen Biozid-Richtlinie sind Biozid-Produkte „Wirkstoffe und Zubereitungen, die einen oder mehrere Wirkstoffe enthalten, in der Form, in welcher sie zum Verwender gelangen, und die dazu bestimmt sind, auf chemischem oder biologischem Wege Schadorganismen zu zerstören, abzuschrecken, unschädlich zu machen, Schädigungen durch sie zu verhindern oder sie in anderer Weise zu bekämpfen“. Produkte, die beim Anbau von Pflanzen verwendet werden, werden nicht als Biozide, sondern als Pflanzenschutzmittel bezeichnet. Biozide werden auch „nichtlandwirtschaftliche Pestizide“ genannt. (Quelle: Wikipedia)

Biozide werden in vielen Bereichen des privaten oder beruflichen Lebens eingesetzt, zum Beispiel als antibakterielle Putz- und Desinfektionsmittel, Holzschutzmittel bis hin zum Mückenspray und Ameisengift. Es gibt 22 bekannte Produktarten, die in vier Hauptgruppen zusammengefasst werden:

  • Schutzmittel
  • Desinfektionsmittel
  • Schädlingsbekämpfungsmittel
  • sonstige Biozidprodukte

Die neue Biozid-Verordnung (EU) Nr. 528/2012 löste am 01.09.2013 die seit 1998 bekannte Richtlinie 98/8/EG ab und muss europaweit angewendet werden.

Die Biozid-Verordnung regelt das Inverkehrbringen und die Verwendung von Biozidprodukten, die zum Schutz von Mensch, Tier, Material oder Erzeugnissen vor Schadorganismen, wie Schädlingen oder Bakterien, eingesetzt werden. Biozide werden vor ihrer Anwendung und vor dem Inverkehrbringen überprüft.

Die neue Verordnung enthält unter anderem Neuerungen bei der Zulassung von Biozidprodukten. Dabei ist für Produkte mit einem günstigen Umwelt- und Gesundheitsprofil ein vereinfachtes Verfahren vorgesehen. Neu ist auch, dass mit Bioziden behandelte Waren erfasst werden und dass auf nationaler Ebene die Zulassung eines Stoffes aus Umweltschutzgründen verweigert werden kann, auch wenn er in einem Mitgliedsstaat zugelassen wurde.

Eine der wichtigsten Neuerungen der Verordnung ist am 1. September 2015 in Kraft getreten. Seitdem dürfen Biozidprodukte nur noch Wirkstoffe enthalten, welche auf einer Zulassungsliste der ECHA gelistet sind (Unionsliste der genehmigten Wirkstoffe).

Welche Relevanz haben Biozide für den Automotive-Bereich?

Unternehmen müssen prüfen, ob Biozide in den eigenen Produkten enthalten sind und ob diese laut Biozid-Verordnung verboten sind. Ist dies der Fall, sind entsprechende Maßnahmen zu treffen, damit das Biozid nicht mehr verwendet wird. Ist es laut Biozid-Verordnung nicht verboten, muss es im IMDS angegeben werden, indem man die CAS-Nummer des Biozids sucht und es in die Werkstoffe einstellt. Ist keine CAS-Nummer vorhanden, ist eine zu beantragen.

Wichtig: Dabei ist unbedingt zu prüfen, ob nicht nur in dem Produkt Biozide enthalten sind, sondern ob auch die Verpackung Biozide enthält, da diese aus der Verpackung ins Produkt übergehen können.

Beispiel zu Verpackungen: 2007/2008 wurde bekannt, dass das giftige Dimethylfumarat aus Silikat-Trocknungsbeuteln in Ledersofas überging.

Laut REACH sind Verpackung und Produkt getrennt zu betrachten. Verpackungen können nicht in das IMDS eingetragen werden, aber in das CDX-System. Nur in Ausnahmefällen, z. B. auf ausdrücklichen Wunsch des Fahrzeugherstellers, sind Verpackungen im IMDS zu finden.

Kann im IMDS nach Bioziden gefiltert werden?

Im IMDS gibt es seit dem Release 10.0 eine Reinstoffgruppe Biozide (GADSL) mit 20 gelisteten Reinstoffen. Im Verwendungsnachweis kann man den eigenen Datenbestand durchsuchen und auch alle akzeptierten MDB.

In der parallel zum IMDS existierenden, ebenfalls von HPE verwalteten Datenbank CDX (Compliance Data Exchange) kann – noch unvollständig – in den MDB nach einzelnen Reinstoffgruppen/-Listen gesucht oder gefiltert werden. Voraussetzung ist, dass man weiß, dass es sich um Biozide handelt. Es finden sich Reinstoffgruppen/Listen zu:

  1. „Methylbromid“ CAS. Nr. 74-83-9 – wird z. B. zum Begasen von Paletten eingesetzt wird, um z. B. Insekten zu töten (in Deutschland seit 2006 verboten)
  2. Organozinnverbindungen (REACH Anhang XVII „organostannic compounds“) – Diese giftigen metallischen Verbindungen hat der Schiffbau oft in Außenanstrichen eingesetzt, um Algen und Muscheln fernzuhalten.
  3. Tetrachlorkohlenstoff, CAS Nr. 56-23-5, bildet unter Einfluss von Licht und Feuchtigkeit das Giftgas Phosgen, das nicht nur Wasserorganismen schädigt.
  4. Dimethylfumarat (Anti-Schimmel-Mittel)

Die Reinstofflisten sind noch nicht unter dem Oberbegriff Biozide zusammenfasst.

Adresse

Waschweg 3, 61276 Weilrod, Germany 
E-Mail: info@imds-professional.com
Tel: +49 60 83.91 30-30
Fax: +49 60 83.91 30 930

 

 

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